Friedrich Heinrich Jacobi

Philosoph

Schon in jungen Jahren kreisten Friedrich Heinrich Jacobis Gedanken um religiöse und philosophische Themen. Die kaufmännische Lehre behagte ihm gar nicht, sodass sein Vater schließlich einem Studienaufenthalt in Genf von 1759 – 1761 zustimmte (Wirtschaftstheorie und Philosophie). Diese Jahre waren wesentlich für seine persönliche und berufliche Entwicklung. Er lernte dort Voltaire und Rousseau kennen, deren Einfluss und die damit verbundene intensive Beschäftigung mit Themen der Aufklärung und der Philosophie Jacobi sehr prägte.

Die Eheschließung mit der adeligen Betty von Clermont, Tochter eines Tuchfabrikanten, führte dazu, dass er von 1764 -1772 die lange abgelehnte Leitung der väterlichen Manufakturhandlung übernahm. Zu seiner freigeistigen Einstellung passte, dass er 1765 Freimaurer und Schatzmeister der damaligen einflussreichen Loge „La Parfaite Amitié“ in Düsseldorf wurde. 1772 folgte Jacobi einer Berufung der Kurfürsten von der Pfalz zum Hofkammerrat der Herzogtümer Jülich - Berg. Er sollte das Zoll- und Handelswesen reformieren, was ihn bis 1779 forderte. Eine der Grundlagen für die sehr erfolgreiche Neuordnung war die schon damals als fortschrittlich anerkannte liberale Freihandelslehre des britischen Volkswirtschaftlers Adam Smith!
Dieser Erfolg führte 1779 in München zur Bestellung als Ministerialreferent und Geheimrat. Das gesamte pfalzbayerische Zoll- und Handelswesen sollte reformiert werden! Hier fiel er aber mit seinen liberalen Ansätzen und Publikationen schnell in Ungnade. Jacobi zog sich schon nach 1 Jahr zurück, spielte aber eine große Rolle bei der Abschaffung der Leibeigenschaft in Bayern!

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Er zog sich auf das Familiengut Pempelfort bei Düsseldorf zurück, das zu einem Mittelpunkt des literarischen und kulturellen Lebens mit Besuchen u. a. von Johann Gottfried Herder und den Brüdern Humboldt wurde. Die Jahre ab 1780 festigten Jacobis philosophische Wirksamkeit und Anerkennung. Er wurde Hauptvertreter der sog. „Gefühlsphilosophie“, die die Unzulänglichkeit nur auf reiner Vernunft oder Rationalität beruhender Konzepte und Entscheidungen betonte. Schon nach Genf korrespondierte Jacobi intensiv und kritisch mit Friedrich von Schiller, Immanuel Kant, Friedrich Gottlieb Klopstock und anderen. In diesen Jahren begann auch die sehr lange Freundschaft mit Goethe, der Jacobis aufkommenden literarischen Ehrgeiz besonders förderte.

Jacobi betonte immer mehr die Wichtigkeit der Intuition und des Gefühls vor einem reinen Rationalismus im Denken und Handeln. Es kam so über die Zeit zum Bruch mit vielen Philosophen, die in diesem Theorienstreit, wie z. B. Kant, auf der traditionellen Seite standen.

1794, 10 Jahre nach dem Tod seiner Frau, musste Jacobi mit seinen acht Kindern vor den napoleanischen Revolutionstruppen aus Pempelfort fliehen. Zunächst nach Hamburg, dann auf das Gut Emkendorf zu Fritz von Reventlow und dann 1795 nach Eutin. 1799 bezog er das Haus Stolbergstr. 6, damals Achterstraße, und lebte somit in unmittelbarer Nähe des guten Freundes Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (Rundgang Nr. 13). Die Eutiner Zeit war geprägt von ständigen Besuchen und lebhaften Diskussionen mit vielen Freunden. Erhalten ist unter anderem ein sehr persönlicher Brief an Friedrich von Schiller aus dieser Zeit. Insgesamt hat der schreibfreudige Jacobi in seinem Leben rund 2.600 Briefe geschrieben bzw. erhalten, von denen etwa 1.900 erhalten sind! 

Daneben hat er sehr viele Werke verfasst, die sich oft mit seinen „Theoriegegnern“ befassten.
In der Eutiner Zeit verlor er aus politischen Gründen einen großen Teil seines Vermögens, sodass er am 11. Mai 1805 Eutin nach München verließ, wo er 2 Jahre später der 1. Präsident der „Königlichen Akademie der Wissenschaften“ wurde. Deren Generalsekretär war der Naturphilosoph Friedrich Wilhelm Schelling. Die Dispute mit ihm bekamen Jacobi nicht gut. 1812 gab er sein Amt auf. Damals kam es auch wegen der Theoriedifferenzen zum Bruch mit Goethe. 

Bis zum Tode am 10. März 1819 widmete sich Jacobi dann der Herausgabe seiner vielen Werke.
In Eutin wurde eine Straße im Charlottenviertel nach diesem streitbaren Philosophen benannt.

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